"Flüssiges Brot" in Schwaben - Bier, Brauerein und Wirtshäuser
21. März bis 10. Oktober 2010,
Volkskundemuseum
Bierland Bayern: Kaum ein anderes Genuss- und Nahrungsmittel ist so untrennbar mit dem Freistaat verbunden wie das „flüssige Brot“. Doch ist gerade die schwäbische Kulturgeschichte des Biers noch weitgehend unerforscht, und das zu einer Zeit, in der immer mehr Wirtshäuser und Brauereien in Stadt und Land schließen müssen und so die Kulturlandschaft unwiederbringlich verändern. Deshalb widmet das Schwäbische Volkskundemuseum Oberschönenfeld des Bezirks Schwaben dem Bier in Bayerisch-Schwaben eine erst malige, umfangreiche Sonderausstellung.
Einzigartige Objekte repräsentieren das Zunftwesen „von der Wiege bis zur Bahre“: Zu den kostbaren Leihgaben gehören etwa ein prunkvoller Silberpokal der Augsburger Brauer aus dem 18. Jahrhundert, das historische Zunftzeichen der Brauer aus Ziemetshausen sowie mehrere Zunftladen aus Schwaben.
Originale Gerätschaften und historische Fotografien veranschaulichen den Brauprozess. Von der Mälzerei bis zur Abfüllung in Fässern und Flaschen waren viele Arbeitsschritte notwendig. Besonders aufwendig war die Natureisgewinnung für Bierkeller, wo das Bier vor der Einführung künstlicher Kühlsysteme gelagert wurde. Arbeitserleichterung brachte erst die Einführung von Dampf- und Kühlmaschinen. Damit verbunden war der Wandel von traditionell handwerklichen Brauereien zu hoch technisierten Betrieben, was in vielen Orten ein Brauereisterben zur Folge hatte.
Ursprünglich war das Bier ohne das Wirtshaus undenkbar. Dort kaufte man „offenes“ Bier in der Kanne oder im Krug, dort wurde es natürlich auch gleich getrunken. Die Wirtsstube war deshalb ein beliebter Treffpunkt: Hier tauschte man politische und andere Neuigkeiten aus und beging rauschende Feste wie auch den Leichenschmaus. Das Wirtshaus als Ort der Geselligkeit zeigt die Ausstellung mit farbenfrohen alten Wirtshausschildern, Kartenspielen und einer Kegelbahn. Trinkfeste Männerbünde fanden sich auch außerhalb der Wirtshäuser. Besonders häufig dokumentieren dies anschauliche Objekte zu Bier trinkenden Soldatengruppen.
Abgerundet ist die Ausstellung durch Objekte der Sammelleidenschaften wie Bierdeckel, Reklamemarken, Bierkrüge und historische Reklameschilder aus Email: Diese bestechen durch ihre kräftigen Farben und Ästhetik und dokumentieren häufig zugleich längst nicht mehr existierende schwäbische
Brauereien.
Die abwechslungsreiche Ausstellung, zu der viele Museen, Brauereien und Sammler einzigartige Schätze beigesteuert haben, bietet Attraktionen für die ganze Familie, für Jung und Alt, und lädt mit interaktiven Stationen zum Mitmachen ein. Und eine Möglichkeit, das Getränk, um das sich alles dreht, nach dem Ausstellungsbesuch zu genießen, findet sich auch auf dem Gelände der Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld, die jahrhundertelang eine Klosterbrauerei betrieb.
Führungsangebote für Gruppen mit Anmeldung
A: Übersichtsführung
Dauer: ca. 60 Minuten,
Kosten: 30 EUR zzgl. Museumseintritt.
B: Führung & freies Zeichnen in der Ausstellung
Die Werkzeuge und Arbeitsutensilien eignen sich als Motive zum perspektivischen Zeichnen, die Emailleschilder der Brauereien als Werbeträger veranschaulichen die grafischen Darstellungsformen vergangener Jahrzehnte.
Dauer: 90 Minuten,
Kosten: 40,- EUR (inkl. Zeichenmaterial) zzgl. Museumseintritt.
C: Führung & museumspädagogische Aktion
Nach dem ca. 1-stündigen Ausstellungsrundgang wird die Klasse geteilt: In der Druckwerkstatt werden eigene Motive für „Bierfilze“ als Getränke-Untersetzer gestaltet, in der Metallwerkstatt prägen und punzieren die Schüler/-innen Schilder und Tafeln.
Dauer: 120 Minuten,
Kosten: 4,- EUR pro Schüler/-in (inkl. Eintritt & Material).
zusätzliche Informationen für Lehrer
Zur Ausstellung ist eine reich bebilderte Broschüre in
der Schriftenreihe des Museums erschienen.
